Milos Milovanovic

1. Wie hast Du den Wettbewerb selbst erlebt ?

„Der Wettbewerb fing für mich sehr plötzlich an, als ich Mitte Dezember die Mail mit den wichtigsten Informationen bekam. Diese war dann gleich auch der Startschuss für die Qualifikationsrunde des Wettbewerbs: Dem Kurzfilm.
Das Thema dieses Jahres war Liebe und Leidenschaft.

Als ich dies las, schossen mir sofort dutzende Gedanken in den Kopf. Von einer verbotenen Liebe über das Fremdgehen bis hin zu einer romantischen Liebesbeziehung. Aber ich war mit keiner Idee zufrieden. Also ließ ich mich ein wenig zurückfallen und wartete darauf, dass mich die bekannte Muse küsst.
Und sie sollte mich nicht enttäuschen. Nicht einmal eine Woche später stieß ich durch Zufall auf diese wunderschöne Geschichte, die als Vorlage für meinen Kurzfilm dienen sollte. Die Liebesgeschichte des wissenschaftlichen Genies Nikola Tesla zu einer weißen Taube.

Wenn man dies Geschichte das erste Mal hört, ist es recht schwer um ein kleines Schmunzeln herumzukommen, aber mein Ziel war nicht, mich über diesen Revolutionär der Elektrotechnik lustig zu machen, sondern ihn zu ehren und so setzte ich alles daran, diese Geschichte so ernsthaft zu erzählen, dass man als Zuschauer in die Geschichte eintauchen und dadurch die vermeintliche Absurdität vergessen kann. Denn im Grund ist es nichts Absurdes. Im Grunde ist es eine ganz normale Liebesgeschichte.

Mein erster Arbeitsschritt war die Textarbeit. Mir war nämlich sofort klar, dass der wunderschöne Text aus dem Off gesprochen werden soll und man währenddessen im Bild sieht, was gerade passiert. Da ich den Text auf serbisch gefunden hatte, musste ich ihn erst übersetzen. Zum Glück bin ich serbischer Muttersprachler. Dann ging es ans Kürzen, die Zeitvorgabe war 2-3 Minuten und daran wollte ich mich so gut es geht halten. Als nächsten Schritt habe ich mithilfe einem Dozenten von Außerhalb diesen Text erarbeitet und eingesprochen und er hat sich sogar noch mit mir neben ihm um die Musik gekümmert. Vielen Dank an dieser Stelle an Montgomery Arnold!

Nun stand mein Gerüst. Während der Zeit der Textarbeit hatte ich bereits ohne großen Erfolg versucht, mich um das größte Problem des Films zu kümmern: Die Taube. Ich akzeptierte es nicht, diese nur anzudeuten oder eine Stofftaube oder Ähnliches zu nehmen. Ich brauchte eine lebendige Taube! Zuerst versuchte ich es bei Bekannten, deren Job es war, Tiere für Ausstellungen etc. zur Verfügung zu stellen. Ich hatte mich eigentlich darauf verlassen, dass dies klappen würde, doch nach langem hin und her war es an Kleinigkeiten gescheitert. Da stand ich nun. Einen Monat vor Ende der Frist. Und ich hatte ein Audio. In meiner Verzweiflung gab ich bei ebay-Kleinanzeigen mein Schlagwort ein und da kam dieser Verleiher für Hochzeitstauben. Diese waren weiß, wie die Taube die ich brauchte und nicht zu teuer. Ich rief also bei ihm an und zwei Wochen später hatte ich bei meinem Dreh zwei Täubchen dabei.

Beim Dreh habe ich darauf geachtet, dass ich historisch möglichst korrekt bleibe, was mir bis auf den allerletzten Shot auch sehr gut geglückt ist (Beim letzten Shot sieht man im Hintergrund Autos…). Ich möchte mich hier noch einmal bei meiner Großartiger Kamerafrau und Cutterin Selina Rauterberg bedanken, bei meinem Kameramann Maurice Stenner und meinem Opa, der den alten Tesla verkörpert hat.

Kurze Zeit später bekam ich Bescheid, ich sei im Finale. Da das auf den Kuss der Muse warten in der ersten Runde so toll geklappt hatte, fuhr ich hier dieselbe Taktik. Schlechte Idee. Zehn Tage vor dem Finale musste ich anfangen, auch wenn ich bis dahin nur zwei Ideen hatte, die ich eher okay als toll fand. Ich beriet mich mit ein paar Leuten und fällte sechs Tage vor dem Finaltag die Entscheidung, welche Idee ich ausarbeiten würde. Wenig Zeit denkt ihr? Antwort: Ja!
Um meine Idee, welche im Frankenstein Dramolet endete, zu verwirklichen, brauchte ich Literatur. Dazu traf ich mich wieder mit Herrn Arnold. Einen Nachmittag später stand das große Gerüst. Puh. Aber jetzt begann die Fummelarbeit. Dass ich dafür die schlecht geschriebene BDSM-Gurke Shades of Grey lesen musste (Ich wollte ein Zitat daraus finden, wo der Sexualakt in seinen Anfängen beschrieben wird), war da noch das geringste Übel. Tagelang bastelte ich an der genauen Performance herum und prügelte mir mithilfe von Freundin und Schwester den Text ein. Da der Text aus Zitaten bestand war mir wichtig, dass ich ihn Wort für Wort konnte. Diese Woche war tatsächlich eine Qual, aber so ist das, wenn das Zeitmanagement daraus besteht, zu warten bis man es nur noch rechtzeitig schafft, indem man jede freie Minute mit Arbeit verbringt.

Der Tag des Finals war gekommen. Ich stand hinter der Bühne und machte mir Gedanken darüber, wie viel Zeit, Geld, Herzblut und Leidenschaft ich eingesetzt hatte, um dort zu stehen. Ich war stolz auf mich und ich wusste, dass ich mein Bestes gegeben hatte. Ich hatte nur vor einer Sache Angst. Meine Performance war eine kabarettistische Nummer, die lustig sein sollte. Wenn jedoch keiner lachen würde, dann würde ich auf der Bühne stehen und eine billige Zaubershow veranstalten, in der ich Bücher von überall herhole. Und dann sah ich mich im Raum um. Acht Menschen waren mit mir im Raum. Sie alle hatten mit ihrem Film so sehr überzeugt, dass sie sich gegen 20 andere Schüler bereits durchgesetzt hatten. Ich sah mir jeden einzelnen an und plötzlich war mir klar: Ich kann gar nicht gewinnen. Jeder einzelne von ihnen war so ein riesiges Talent und ich wusste, dass das Publikum heute acht großartige Performances sehen würde. Und mich. Wie soll ich so gut sein, dass ich mich gegen diese Leute durchsetzte? Mit diesem Gedanken im Kopf ging ich meine Performance noch einmal durch und mir fiel etwas auf. Ich hatte gar keinen Auftritt. Damit aus meiner Performance keine drittklassige Zaubershow wird, muss ich das Publikum ab dem ersten Augenblick überzeugen, dass es eine Comedynummer wird. Ich überlegte mir also meinen Auftritt und dann war ich auch schon dran. Und es lief bombastisch. Das Publikum hat mich von der ersten Sekunde an unterstützt und mich durch die ganze Performance getragen. Mir sind zwei/ drei Mal kleine Fehler passiert, aber ich konnte sie in mein Spiel einbauen und das Publikum hat sie zwar bemerkt, aber war dennoch auf meiner Seite.

Wieder hinter der Bühne war ich nur noch glücklich und erleichtert. Nach zwei Minuten fing mein Magen plötzlich an sich zu melden. Es fühlte sich so an, als hätte ich seit Tagen nichts gegessen. Ich ging ins Cafe und befriedigte also mein Hungergefühl. Das war wirklich krass. Vom Hochgefühl der Bühne zurück in der Realität. In dem Moment wusste ich: Ich habe mein Bestes gegeben und es ist so gut gelaufen, wie es nur hätte laufen können. Ich war sehr dankbar für den ganzen Wettbewerb, dafür, dass uns die Chance gegeben wird, unser eigenes Ding zu machen, unsere eigene Kreativität zu nutzen und in dem Moment war es zweitrangig, ob ich das Stipendium bekommen würde oder nicht. Ich war einfach glücklich…
einfach Spaß zu haben.“

2. Inwieweit hilft bzw. hat Dir das Stipendium weitergeholfen, Deine Ausbildung zum Schauspieler zu verbessern wie es ohne das Stipendium nicht möglich gewesen wäre ?

„Der Wettbewerb ist nun ein halbes Jahr her und ich habe die ersten Zahlungen des Stipendiums bereits erhalten. Jedoch habe ich dieses Geld bisher nicht angerührt. Ich möchte es nämlich dafür verwenden, den Doppelabschluss aus Theater und Film an unserer Schule zu machen. Dies bedeutet einen finanziellen Mehraufwand ab Januar, den das Stipendium zwar tragen würde, jedoch sagten mir Absolventen, dass es schwer sei neben der Schule zu arbeiten, wenn man sich für den Doppelabschluss entscheide. Das heißt, dass ich die Zahlungen bis Januar spare, um in den letzten zehn Monaten der Ausbildung finanziellen Puffer zu haben, um nicht Unterricht für meinen Nebenjob ausfallen zu lassen.

Ohne das Stipendium, wäre es mir finanziell nur sehr schwer möglich gewesen, den Doppelabschluss zu stemmen.“

3. Was würdest Du zukünftigen Bewerbern über das Stipendium erzählen und ihnen für
ihre Bewerbung empfehlen ?

„Ich finde es sehr schwer, Künstlern allgemeingültige Tipps zu geben. Ich erzähle hier einfach, was mir geholfen hat und hoffe, dass sich ein paar etwas daraus ziehen können.

Die Aufgaben sind sehr schön frei gestaltet. In der ersten Runde wird ein Video von 2-3 Minuten erwartet. Ich hatte für mich selbst den Anspruch, mit meinen Mitteln so nah wie möglich an ein professionelles Kurzfilmniveau zu kommen. Ich wollte einen so guten Film machen, dass ich ihn auch außerhalb des Wettbewerbs verwenden kann. Zum Beispiel für mein Showreel. Damit kam ich auch ganz schnell weg von dem alles-selber-machen Motto. Ich arbeite nach dem Prinzip: Du musst nicht alles wissen, du musst nur wissen wo es steht, bzw. wer es weiß. Dafür habe ich mich gefragt: Wer in meinem Bekanntenkreis hat Ahnung von Kameraarbeit? Wer kann schneiden? Wer kennt sich mit historischen Kostümen aus? Wer versteht etwas von Mikrofonarbeit. Auf einmal hatte ich eine Crew aus Freunden, die mir geholfen haben.

Nächster Punkt, Thema Text: Hier gilt dasselbe wie eben: Wir sind auf einer Schauspielschule. Das heißt, wir sind Schauspieler. Keine Regisseure, keine Autoren und keine Kameramänner. Wenn man einen guten Text findet, darf man den benutzen!“

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