Ella Mainholz

1. Wie hast Du den Wettbewerb selbst erlebt?

„Rückblickend war der Wettbewerb eine große Freude! Ich denke an die Wochen der Planung, Plan-Verwerfung und Nervosität. An das Bangen und an die Ungläubigkeit das Stipendium gewonnen zu haben.

Die erste Bewerbungsrunde- ein Kurzfilm, Eigenarbeit – startete und ich heuchelte mehr oder weniger erfolgreich Gelassenheit vor: ‚Ach was, ich geb‘ einfach irgendwie was ab; besser schlecht teilgenommen als gar nicht, ich würde mich ärgern wenn ich es nicht mal versuche…‘

In Wahrheit war es mir natürlich überhaupt nicht egal, wie dieser Kurzfilm wird! Ich habe drei mal mein Konzept übern Haufen geworfen und mich gar nicht erst getraut zu Filmen, aus Angst vor dem Ergebnis! In der Nacht vor der Abgabe hab ich den 2 Minüter dann abgeschickt!

Leider hieß es dann in der Schule nicht ‚Aus den Augen, aus dem Sinn‘ – das Stipendium hat den gesamten Jahrgang beschäftigt. Da fast alle meine Mitschüler*innen teilgenommen haben, wurde in den Freistunden und Pausen die Filme der Anderen heiß diskutiert und kleine Grüppchen drängelten sich um inoffizielle Screenings. – Ob ich denn auch meinen Film mal zeigen will?? Bitte nicht!!! Da kann ich doch nicht mithalten! – Meinen Film haben bis heute vielleicht 3 Menschen gesehen.

Ich wundere mich im Ernst wie ich es in die Zweite Runde geschafft habe. Aber das war mein großes Glück! Bühne ist wenigstens ein mir bekanntes Terrain. Trotzdem habe ich wieder vier Mal meine Idee geändert und verworfen, war noch aufgeregter als zuvor! Ich wollte alles so ‚perfekt‘ machen.

Als ich dann in die ‚Endproben‘ ging und auf der Bühne stand, ist mir klar geworden, worum es geht: Alles was ich für meine Performance brauchte, war Mut und Hingabe! Die Idee stand. Ich wusste was ich Tat, aber die Technik ist nichts wert, wenn ich nicht dahinterstehe und mich reinwerfe!

Ich glaube diese Erfahrung ist unheimlich viel Wert gewesen! Im Unterricht habe ich nie so leibhaftig und direkt erfahren, was es bedeutet den Schweinehund und die Scham und Zurückhaltung zu überwinden, wie in dem Moment, in dem ich meine Stipendiumsperformance vor Publikum spielen durfte!

‚I don’t give a fuck‘ ist hier wohl das Stichwort (O-Ton Olivia Rüdinger) und das macht doch auch am meisten Spaß am Theaterspielen! Sich reinschmeißen, auf die Schnauze fallen, sich zum Affen machen.

Ich glaube der schönste Moment, als es dann ins Eingemachte ging, war die Generalproben der Mitschüler*innen zu sehen. Zu meiner Überraschung haben die großartigen Arbeiten mich überhaupt nicht so verschreckt wie ich angenommen hatte, sondern eher ein Gefühl der professionellen, wohlwollenden Arbeit erzeugt!

Mir wurde klar, dass wir alle gemeinsam aufgeregt und nervös sind. Dass der Wettbewerb aber nicht unbedingt Konkurrenz schaffen muss, sondern uns verbindet in dem Wunsch Theater zu spielen und unser Bestes zu geben. Dieser gemeinschaftliche Sinn war beim gemeinsamen Aufwärmen nochmals stark zu spüren und hat mir unheimlich viel Halt und Antrieb verliehen. Für diese Momente bin ich sehr dankbar!

Das Stipendium zu gewinnen war für mich eine große Überraschung. Abschließend möchte ich hinzufügen, dass ich bin sehr froh bin diese Auszeichnung mit drei Klassenkamerad*innen teilen zu dürfen, die ich einfach großartig finde!“

2. Inwieweit hilft bzw. hat Dir das Stipendium weitergeholfen, Deine Ausbildung zum Schauspieler*in zu verbessern wie es ohne das Stipendium nicht möglich gewesen wäre?

„Der Gewinn des kleinen Stipendiums bestärkt mich in meinem Weg als werdende Schauspielerin! Ich bin natürlich sehr Stolz auf diese Auszeichnung und dass ich sie für etwas bekommen habe, das ich selbst geschrieben, gespielt und inszeniert habe. Als Künstlerin gibt mir das eine Sicherheit, bzw. ein Vertrauen in meine Fähigkeiten und verleiht mir ein größeres Vertrauen. Da dieses Projekt ja von der Pike auf meins und auch noch bei den Zuschauenden angekommen ist, öffnet es mich für mehr Selbstständigkeit. Natürlich ist der finanzielle Aspekt nicht weg zu denken. Gerade in Hinblick auf die Pandemie, in der nun zum zweiten Mal die Gastronomie geschlossen wird, die bestimmt nicht nur bei mir das finanzielle Standbein war um die Schule und Lebenshaltungskosten zu tragen, hilft mir das Stipendium ungemein und nimmt mir einen großen Teil meiner Sorge. Es ermöglicht mir die Schule zu zahlen ohne mir ein Bein auszureißen und eine Niere zu verkaufen. Dadurch habe ich persönlich den großen Luxus einfach ‚nur‘ zu Schule zu gehen, zu lernen und das mit vollem Fokus. Ohne Nebenjob und dafür ausgeschlafen in der ersten Stunde.“

3. Was würdest Du zukünftigen Bewerbern*innen über das Stipendium erzählen und ihnen für ihre Bewerbung empfehlen?

Macht Euch nicht zu viel Stress. Vertraut auf Euch und Eure Ideen. Versucht die Aufregung und das Zittern zu genießen und supportet Euch gegenseitig! Seid gut zu Euch und Euren Mitbewerber*innen und feiert Eure Kunst!
Ich find’s nämlich ganz schön beeindruckend, was im Rahmen dieses ‚Wettbewerbs‘ alles entsteht und egal, ob dabei nun ein Stipendium für Euch rausspringt oder nicht, werden so viele verschiedene und beeindruckende Performances und Filme geschaffen – dafür muss man sich gegenseitig echt feiern!

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