Kim Biebow

1. Wie hast Du den Wettbewerb selbst erlebt?

„Wow. Ganz komplexe und schwierige Frage. Der ganze Wettbewerb war für mich super vielfältig.
Von dem Moment an, als wir ein Jahr vorher die Performances vom Jahrgang über uns anschauen konnten, war ich inspiriert und heiß darauf – als endlich unsere Runde gestartet wurde.
Dann kam der 1. Schritt, als wir unser diesjähriges Thema bekommen haben: „Zuhause und Anderswo“ und ich direkt soooo viele Ideen zu dem Thema hatte. Ich hatte irgendwie schon vor Beginn das Gefühl, dass mir die 1. Runde, also der Bewerbungsfilm deutlich schwerer fallen würde als die 2. Theaterrunde, – und so war es im Endeffekt auch. Also habe ich erst schön prokrastiniert, mich konkret an den Film ran zusetzen, so dass ich dann echt in Stress gekommen bin als es zur Deadline kam. Aber unter Zeitdruck kann ich sowieso deutlich besser arbeiten. Nachdem ich dann 2 Nächte durch geschnitten habe,war ich mit dem Ergebnis sehr, sehr zufrieden weil es tatsächlich stark so geworden ist, wie es vorher in meinem Kopf ausgesehen hat.
Dann war erst einmal Zittern angesagt, ob ich in die nächste Runde gekommen bin. Ich weiß noch der Moment – ich meine es war der 02.03- als wir die Mail bekommen haben, in der die Finalist*innen bekannt gegeben wurden. Ich war zu dem Zeitpunkt gerade
zeitversetzt in New York und hab es gar nicht durch die Mail erfahren sondern durch Kai, der mir „FINALE WOHOOO FINALE WOHOHOHOOO“ geschrieben hat. Ich hab mich so sehr gefreut und war stolz, es eine Runde weiter geschafft zu haben und mit so tollen und starken Menschen im Finale zu stehen. Das war ein echt toller Moment. Dann hab ich das ganze Thema erst einmal wieder beiseite gelegt bis ich wieder im Klopapierlosen Deutschland angekommen war. Und dann ging der ganze Prozess wieder
von vorne los.

Musik schneiden, Choreographieren, Improvisation, üben, üben, üben, Schreiben, ehrlich zu sich selbst sein, weg werfen, verzweifeln, von vorne anfangen. Zunehmende Aufregung bis dann endlich der Tag vom Finale da war und ich an der Reihe war. Gott, hab ich gezittert als ich mit meiner Puppe auf der Bühne lag. Meine Performance hat für meine Ansprüche gut geklappt aber es war doch etwas komisch in ein Publikum zu spielen, wo mehr Lücken als Menschen sind und Alle mit Zettel und Stift dasitzen und sich Notizen zu einem machen.

Dann haben wir fast 2 Stunden auf die Verkündung gewartet und auf der einen Seite war ich natürlich krass nervös, aber auf der Anderen auch super ruhig, weil ich irgendwie dachte „Egal, wie das Ergebnis ist, es ist schon OK so“. Und dann war ich die Erste, die aufgerufen wurde und es war irgendwie seltsam. Ich bin gar nicht in Tränen ausgebrochen oder so etwas, sondern glaub ich recht ruhig nach vorne gegangen. Es war irgendwie eine Bestätigung für mich als Mensch auf so vielen Ebenen. Das Non-plus-ultra war dann, dass alle drei nächsten Gewinner*innen aus meiner Klasse kamen und mir so nahe stehen und ich entweder für sie persönlich gebangt habe, dass sie bitte, bitte ein Stipendium bekommen oder mir irgendwie sicher war, dass sie mit ihrer Performance auch „gewinnen“ müssen und dann hab ich mich irgendwie fast mehr für die Anderen gefreut als für mich. Und gleichzeitig tat es mir weh, diejenigen zu sehen, die kein Stipendium bekommen haben und nichts dagegen tun zu können.

Ich finde, der ganze Wettbewerb birgt für Jeden so unglaublich viele Gelegenheiten, sich selber auszudrücken und sein ganz eigenes Projekt von Anfang bis Ende auf die Beine zu stellen, weil wir dazu so in der Ausbildung auch nicht die Chance bekommen. Das war wirklich toll und hat Spaß gebracht und mich dazu gebracht, in gewissen Punkten über mich hinaus zu wachsen.

Und auch interessant, mal den Konkurrenzcharakter unseres Berufs zu kosten, da wir innerhalb unseres Jahrgangs für mein Empfinden wenig Konkurrenz und stattdessen ein großes Miteinander genießen. Aber je näher das (verschobene) Finale gerückt ist, desto mehr konnte ich die angespannten Nerven spüren – bei mir, bei Anderen, zwischen uns. Es ging dann ja doch um viel.
Was mich rückblickend aber stolz macht und mir ein tolles Gefühl gibt, ist die Tatsache, dass wir trotz des Konkurrent*innen Daseins nie die Freundschaft vergessen haben. Und so bis zum Tag vom Finale gegenseitig unsere Performances angeschaut und Verbesserungsvorschläge gegeben und uns gegenseitig unterstützt haben, stets ein offenes Ohr für einander hatten und für das ein oder andere tiefe Gespräch trotzdem für einander da gewesen sind. Jetzt gerade (14.11) ist es wirklich schön, das Alles noch mal Revue passieren zu lassen und zu durchdenken, was alles in der Zeit passiert ist. Ich denke wirklich gerne an den Stipendiums Wettbewerb zurück.“

2. Inwieweit hilft bzw. hat Dir das Stipendium weitergeholfen, Deine Ausbildung zum Schauspieler*in zu verbessern wie es ohne das Stipendium nicht möglich gewesen wäre?

„In dem Moment an sich dadurch, dass es mir viel Bestätigung gegeben hat. Vielleicht hat sich durchs Stipendium nicht direkt meine Ausbildung verbessert, aber ich habe schon irgendwie etwas mehr Selbstvertrauen dadurch bekommen, auf das ich mich auch jetzt noch berufe und welches mir auch jetzt noch in manchen Situationen Sicherheit gibt. Und finanziell ist es natürlich eine tolle Unterstützung. Es gibt die Möglichkeit, Doppelabschluss zu machen ohne – so gesehen – mehr zahlen zu müssen.
Aber unabhängig davon, ob ich Doppel oder Film/Theaterabschluss mache, gibt das Stipendium mehr Freiraum, sich auf die Ausbildung zu konzentrieren und sie so voll auszuschöpfen und noch intensiver an mir arbeiten zu können. Gerade auch, weil jetzt im 3. Jahr sehr viele neue Situationen gekommen sind und kommen werden. Ich werde dann weniger von Sorgen wie Finanzen abgelenkt und habe weniger Druck im Nacken.“

3. Was würdest Du zukünftigen Bewerbern*innen über das Stipendium erzählen und ihnen für ihre Bewerbung empfehlen?

„Erst einmal, auch wenn es blöd klingen mag (es ist nicht blöd gemeint): Der ganze Druck der mit dem Wettbewerb einhergeht, ist meiner Meinung nach überbewertet. Mach Dir nicht so viel Stress, mach Dein Ding, bewahre Ruhe und bleib bei Dir. Es ist eine wirklich tolle Sache, Chance und Möglichkeit für Dich, Dich auf deine eigene Art und Weise zu zeigen und auszudrücken, vielleicht sogar im Zuge dessen mehr über Dich selbst herauszufinden. Probiere das, was Du schon immer mal probieren wolltest.
Nutze die Chance, um Dich auf die Art zum Ausdruck zu bringen, die Dir nahe liegt, die Dich berührt und Dir richtig erscheint. Habe nicht nur das Geld im Auge sondern den ganzen Prozess und schätze das. Hol Dir Hilfe von außen wenn Dir danach ist, das ist voll ok und erlaubt. Wenn nicht, dann nicht. Es geht zwar ums Individuum, aber vergiss nicht das Miteinander. Hab Spaß!“

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