Lisa Tschanz

1. Wie hast Du den Wettbewerb selbst erlebt ?

„Den Wettbewerb habe ich als sehr anspornend und herausfordernd erlebt. Und eigentlich auch als sehr still gegen Aussen. Jeder Teilnehmer hat für sich alleine gearbeitet, gedacht, konstruiert, geprobt. Man hat sich kaum ausgetauscht. Das war wie eine stille Vereinbarung und auch gut so, so blieb man in seiner Ruhe und hat sich erst gar nicht unter Druck setzen können mit Dingen wie „ach der/die macht das so? dann ist meine Idee vielleicht ganz falsch“ Das habe ich als sehr angenehm empfunden und würde es beim nächsten Wettbewerb genau so handhaben wollen. Ich hatte während dieser Zeit ohnehin kaum Gedanken für Anderes. Alles drehte sich rund um die Uhr um das Stipendien-Projekt. Es war ein ganz und gares Eintauchen in das Thema Liebe und Leidenschaft und durch erste riesen Schwierigkeiten und erstmaligem totalem „Verlorensein“ kam dann die Auseinandersetzung mit dem „was ist Liebe überhaupt? Wo ist sie überall zu finden, was bedeutet sie in der Literatur, was in der der Gesellschaft, was ist sie für mich? Was sind meine Assoziationen dazu? Was will ich erzählen“ kamen recht schnell erste Bilder und Vorstellungen und irgendwann fing die Phantasie nur so an zu fliessen. Täglich, stündlich, ja manchmal minütlich oder auch Nachts beim Träumen kamen neue Ideen dazu. Wie bei einer Zeichnung, wurde alles mit jedem Strich klarer und eindeutiger und das war die wohl tollste Erfahrung. Ich habe gelernt, dass ich auf meine Kreativität vertrauen kann und dass etwas ins Rollen kommt und entstehen kann, wenn man Zeit und Arbeit investiert und nicht aufgibt, sondern immer weiter forscht und darauf vertraut, dass man etwas schaffen kann. Das würde ich als einen sehr wertvollen Prozess bezeichnen, der mir für meine Zukunft als Schauspielerin unglaublich viel Kraft gegeben hat, mich sehr inspiriert hat und wobei ich enorm viel gelernt habe.“

2. Inwieweit hilft bzw. hat Dir das Stipendium weitergeholfen, Deine Ausbildung zum Schauspieler zu verbessern wie es ohne das Stipendium nicht möglich gewesen wäre ?

2016 – Rückblick: „Gerade habe ich meine damaligen Antworten noch einmal durchgelesen. Ergänzend zur Frage 2 kann ich natürlich berichten, dass ich enorm davon profitiert habe, meine Arbeit neben dem Studium auf die Hälfte reduzieren zu können. Ich habe den Theaterabschluss gewählt und konnte mit Hilfe des Stipendiums während den Probezeiten für das Abschlussstück sogar ganz auf die andere Arbeit verzichten. Das ermöglichte mir, meine Kräfte einzuteilen und mich voll und ganz auf das Stück zu konzentrieren. Da das Wintermärchen (was sich ja damals aus der Jury-Besetzung ergab) letztes Jahr in Harburg Erfolg feierte, werden wir es diesen Dezember am Altonaer Theater spielen und somit ist mein Start in das Berufsleben für diese Zeit auch schon abgesichert und wer weiss, was sich daraus weiter ergeben kann. Ein schöner Nebeneffekt ist natürlich, dass sich so eine Auszeichnung ganz gut macht in der Vita.“

2015: „Seit Beginn meiner Ausbildung an der Schule für Schauspiel Hamburg habe ich neben dem Studium oft und lange gearbeitet. Ich ging, wie andere auch, nach einem ganzen Tag Schule noch 9-10 Stunden arbeiten und war teilweise am nächsten Morgen entsprechend kraftloser. Das Stipendium ermöglicht es mir, etwas weniger zu arbeiten und mehr Zeit für mein Studium investieren zu können. Ausserdem wurde ich aufgrund des Stipendien-Vorspiels für das diesjährige Wintermärchen am Harburger Theater engagiert.“

3. Was würdest Du zukünftigen Bewerbern über das Stipendium erzählen und ihnen für ihre Bewerbung empfehlen ?

2016 – Rückblick: „Zu meiner Antwort von Frage drei kann ich kaum was ergänzen – nur ein Jahr später fett unterschreiben. Naja und vielleicht, dass man sich durch diese Erfahrung immer mehr traut, seine Ideen zu verwirklichen. Man fängt an, sich so einiges zuzutrauen und das ist in dem Beruf nie verkehrt.“

2015: „Den künftigen möglichen Stipendiaten würde ich in erster Linie empfehlen: Bewerbt euch! Schon nur der Entscheid, an dem Wettbewerb teilzunehmen, bringt euch in ein Selbstengagement. Durch die Teilnahme erreicht ihr eine grosse Selbstständigkeit, eine Ernsthaftigkeit euch selbst und eurem Beruf gegenüber.  Etwas ganz alleine zu erarbeiten, schwanger zu gehen mit einem Thema und schlussendlich „zu gebären“ ist ein so grossartiger Prozess, der euch eine Sicherheit geben kann, die ihr vorher vielleicht noch nicht in dieser Form erfahren habt. Ihr findet heraus, wie ihr funktioniert und kriegt vielleicht auch einen völlig neuen und uneingeschränkteren Zugang zu eurer Kreativität und euren Ideen. Und : Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt eure Vorstellung von etwas, und die ist es allemal wert, verwirklicht zu werden. Zwischenzeitlich zweifelt man natürlich immer wieder an sich, will alles hinschmeissen und denkt, dass man es nie schafft. Dann tut eine kleine Pause gut, ein kurzes Aufschnaufen – sich mit etwas ganz anderem beschäftigen, um dann mit neuem Mut wieder weiterzurabeiten. Ich hatte mir zum Beispiel körperlich etwas vorgenommen und erst bei der Probe festgestellt, dass ich das kräftetechnisch gar nicht schaffe. Dann habe ich eineinhalb Stunden (von zwei, in denen ich den Raum zur Verfügung hatte) nur geheult und geflucht. Zwei Tage später (am Tag vor dem Vorspiel) habe ich herausgefunden, wie ich es doch mit ein bisschen anderer Technik doch schaffen kann. Ich musste nur ein wenig wegkommen von meiner Ursprungsidee und schlussendlich hats sogar noch besser zum Thema gepasst. Das war nötig. Auch Veränderungen und Abweichungen zulassen und vielleicht mal die eine oder andere Idee loslassen. Alles in allem möchte ich sagen: Es lohnt sich – für euch, für eure Zukunft, für euren Beruf. Viel Glück und Erfolg!“

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